Stellungnahme zur Wahl der stellvertretenden Bürgermeister

Stellungnahme zur Wahl der stellvertretenden Bürgermeister

In der konstituierenden Sitzung des Kitzinger Stadtrats am 12. Mai 2026 wurden die beiden stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Tobias Volk (FBW) wurde im ersten Wahlgang mit klarer Mehrheit zum 1. Bürgermeister bestimmt. Walter Vierrether (Pro Kitzingen) setzte sich in der Stichwahl gegen Nicole Starkmann (CSU) mit 16:15 Stimmen als 2. Bürgermeister durch.

Damit stellen die Freien Wähler FBW Kitzingen erstmals in der 78-jährigen Vereinsgeschichte sowohl den Oberbürgermeister – Dr. Enis Tiz – als auch den 1. Bürgermeister. Wir sehen darin einen großen Vertrauensbeweis der Kitzingerinnen und Kitzinger, der uns Auftrag und Verpflichtung zugleich ist.

Im Anschluss an die Wahl ist eine öffentliche Diskussion darüber entstanden, dass an der neuen Stadtspitze keine Frau vertreten ist. Eine Demonstration ist angekündigt. Dieses Anliegen ist berechtigt und es verdient eine ehrliche, sachliche Antwort. Wir möchten mit dieser Stellungnahme den Ablauf der Wahl transparent machen und die Verantwortung dort einordnen, wo sie tatsächlich liegt.

Wie eine Bürgermeisterwahl in Kitzingen funktioniert

Die stellvertretenden Bürgermeister werden nicht direkt von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt, sondern vom Stadtrat. Vorschlagsberechtigt sind alle 30 gewählten Stadträtinnen und Stadträte – unabhängig von Geschlecht oder Fraktion. Jede Fraktion, jede Stadträtin und jeder Stadtrat hätte am 12. Mai eine Frau für das Amt vorschlagen können.

Welche Kandidatinnen und Kandidaten standen zur Wahl?

Mit Nicole Starkmann (CSU) wurde für beide Ämter eine Frau nominiert – sowohl für das Amt des 1. als auch für das Amt des 2. Bürgermeisters. Bei der Wahl zum 2. Bürgermeister erreichte sie im ersten Wahlgang mit 15 Stimmen das beste Ergebnis und unterlag in der Stichwahl denkbar knapp – eine einzige Stimme gab den Ausschlag.

Wichtig für die öffentliche Debatte: Bürgermeisterwahlen im Stadtrat sind nach bayerischer Gemeindeordnung geheime Wahlen. Niemand weiß, wer wen gewählt hat – auch innerhalb der Fraktionen nicht. Sämtliche Spekulationen darüber, welche Fraktion oder welche einzelnen Stadträtinnen und Stadträte für oder gegen Nicole Starkmann gestimmt haben, sind und bleiben Vermutungen. Es gibt keine namentliche Abstimmung und kein Protokoll, das diese Frage beantworten könnte.

Die FBW respektiert dieses Wahlergebnis. Die Entscheidung der Stadträtinnen und Stadträte beruhte auf einer inhaltlichen und persönlichen Abwägung zwischen konkreten Persönlichkeiten – sie war keine Abstimmung gegen Frauen in Führungsverantwortung. Wer die berechtigte Frage stellt, warum keine Frau Bürgermeisterin geworden ist, sollte gleichzeitig die Frage stellen, warum nicht aus weiteren Fraktionen Frauen aufgestellt wurden. Diese Verantwortung verteilt sich auf alle Fraktionen im Stadtrat.

Repräsentation darf nicht auf einen Sitzungstag verkürzt werden

Die FBW steht für eine sachorientierte, bürgernahe Politik. Repräsentation ist uns wichtig – sie misst sich aber nicht allein an einer einzelnen Personalentscheidung, sondern an der täglichen Arbeit für alle Kitzingerinnen und Kitzinger. In den Referaten und Gremien der neuen Wahlperiode tragen Frauen zentrale Verantwortung: Sirin Sait-Keles als Referentin für Integration und Schule, Dr. Endres-Paul als Referentin für Kultur, Eva Trapp als Referentin für Senioren und Menschen mit Behinderung, Sabrina Stemplowski als Referentin für Ehrenamt sowie Carmen Jensen als stellvertretende Pflegerin der Stiftung Alten- und Pflegehilfe. Diese Mandate ersetzen kein Bürgermeisteramt – sie sind aber gelebte Verantwortung von Frauen in der Kitzinger Stadtpolitik, sichtbar und wirksam ab Tag eins der neuen Periode.

Was wir aus der Debatte mitnehmen

Die FBW versteht die Kritik nicht als Angriff, sondern als Ansporn. Für die kommenden sechs Jahre nehmen wir uns konkret vor,

  • den Anteil von Frauen auf unseren Kandidatenlisten Schritt für Schritt weiter zu erhöhen,
  • gezielt Frauen in Kitzingen für politische Verantwortung anzusprechen, zu begleiten und zu fördern,
  • den Dialog mit den Stimmen, die jetzt – zu Recht – laut werden, aktiv zu suchen statt ihn zu meiden.

Wir laden alle ein, die diesen Weg mitgehen wollen – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Fraktion. Politik wird in Kitzingen gemeinsam gemacht. Das gilt am Wahltag des Stadtrats genauso wie an den 364 Tagen, die folgen. (ceo)